Spielbeitrag

Zielvorgabe: Klassenerhalt

Die bevorstehende Saison steht bereits in den Startlöchern, dennoch gab es erstaunlich wenig Information zur Kaderplanung beim Zwickauer Traditionsverein BSC Rollers. Grund genug, aktiv das Gespräch mit Headcoach Marco Förster zu suchen.
Glaubt man den Social-Media-Account des Klubs starteten die Rollstuhlbasketballer bereits in der Vorwoche wie gewohnt in die Saisonvorbereitung, dennoch blieb es bislang in Sachen Neuzugänge relativ ruhig auf den Kanälen der Feuervögel und das trotz zweier Abgänge, Rostislav Pohlmann und Zymantas Bucinskas, zum Ende der vergangenen Saison. Was ist das los? »Nun ja, der Sommer und die damit verbundene Kaderzusammenstellung hatten leider einige böse Überraschungen für uns parat«, kommt Marco Förster gleich auf den Punkt. »Bereits zum Ende der letzten Saison hatte ich meine Wunschkandidaten für die verschiedenen vakanten Positionen fixiert und war froh, dieses Jahr so früh den Kader komplett zu wissen. Danach allerdings begann eine kleine Odyssee für uns. Ein Lowpointer, mit welchem ich schon in den letzten Jahren in Kontakt war, hat sich Ende Mai im Training schwer verletzt und wird wahrscheinlich die gesamte kommende Saison pausieren müssen. Das war schon insofern hart, da die Idee der Kaderzusammenstellung jeweils auf alle Neuzugänge zugeschnitten war.« In weiterer Folge sei man mit drei Spieler, der gleichen Position in Kontakt gewesen, leider kam es aus diversen Gründen – finanziell, infrastrukturell, familiär – schlussendlich doch nicht zum Vertragsabschluss. Die Verpflichtung des zweiten geplanten Neuzuganges, als Ersatz für Routinier Pohlmann, scheiterte tatsächlich an bürokratischen Hürden, erzählt Förster sichtlich enttäuscht. »Wir haben über vier Monate mit der örtlichen Ausländerbehörde, der Botschaft und unzähligen Anträgen und Dokumenten gekämpft. Dennoch saßen wir am Ende leider am kürzeren Hebel und mussten durch, aus meiner Sicht völlig unverständlichen Vorgängen, den Spieler Ende August ziehen lassen. Man sah sich nicht in der Lage – obwohl es innerhalb der Liga bei ähnlich gelagerten Fällen funktionierte – den Visumsantrag für den Spieler positiv zu entscheiden.« Natürlich habe sich der Trainer im Zuge dessen in Europa und Übersee nach potenziellem Ersatz umgeschaut. Auch hier gab es einige interessante und interessierte Spieler, welche aber schlussendlich doch andere, meist finanziell besser dotierte Angebote angenommen haben. Einzig der dritte, ebenfalls langfristig geplante Neuzugang Mees Hessels (3.0 NED) konnte für den Zwickauer Kader gewonnen werden und hat, wie der Rest der Mannschaft auch, bereits das Training aufgenommen.
Dass dies alles andere als glücklich klingt, bestätigt auch Routinier Förster. »Um ehrlich zu sein, das ist eine echt beschissene Situation, da mein persönlicher Plan vorsah, kommende Saison mit einer neuen Teamzusammenstellung, den nächsten Schritt in der Entwicklung zu gehen. « Dennoch gelte es, mit der gegebenen Situation umzugehen und zu arbeiten. Mit Daniel Gehse (2,5 GER) wird ein Spieler aus der zweiten Mannschaft, als voller Kaderspieler auflaufen. Das sei zugegeben eine klubintern nicht wirklich populäre Entscheidung, so Marco Förster, da Gehse eine Schlüsselposition in der zweiten Mannschaft innehat. Dennoch sei dies notwendig, um weitere Rotationsmöglichkeiten zu erreichen. Mit Max Chagger (4,5 GER) wird ein weiterer Spieler aus der zweiten Mannschaft als Doppellizenzspieler der Bundesligamannschaft zur Verfügung stehen. »Max verfügt mit seinen 16 Jahren über großes Talent und ich freue mich, ihm die Möglichkeit bieten zu können, bei der ersten Mannschaft mit zu trainieren und auch bei einigen Spielen für das Team mit aufzulaufen. Und auch Andre Weiland (1,0 GER) wird in diesem Jahr wieder als Doppellizenz- und Back-up-Spieler, neben seinem Studium, zur Verfügung stehen.«
In Sachen Zielsetzung backt Förster in der kommenden Saison entsprechend lieber kleine Brötchen, für ihn stehe der Klassenerhalt an oberster Stelle. »Ich habe mit dem Team und auch in Einzelgesprächen die Situation angesprochen und damit ist dieses Thema für mich vom Tisch. Ich habe mich lang genug darüber geärgert. Jetzt gilt es, sich erst einmal auf das Training zu konzentrieren, alles zusammenzubringen und mit den Stärken meiner Spieler ein schlagkräftiges Konzept zu erarbeiten. Immerhin bieten schwierige Situationen auch immer Chancen. Zum einen ist man gezwungen sich verändern zu müssen und zum anderen läuten diese auch oft neue Zeiten ein.« Ein persönliches Anliegen an alle Fans, Zuschauer und Unterstützer hat er zu guter Letzt auch noch: »Wir benötigen in dieser Saison wirklich jeden Zuschauer und jede Unterstützung, die wir bekommen können. Ich hoffe, das ganz Zwickau in der Lage ist, uns in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen – wir alle kämpfen jeden Tag für den Erhalt des Traditionsvereins der BSC Rollers Zwickau in der 1. Rollstuhlbasketballbundesliga.« (JoKri)

fotocredit: Bert Harzer

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